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Hurtigruten Schiffsreise Tag 9

Tromsö - Harstad - Stokmarknes - Stamsund

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Schon der 9. Tag an Bord der Hurtigrute, und nach dem nächtlichen Aufenthalt in Tromsö, verbunden mit einer kurzen Nacht, vielleicht noch etwas müde. Wenn es auch schwerfällt, man sollte dennoch versuchen vor der Ankunft in Harstad auf den Beinen zu sein. Denn während die "Südgehende" um 8:00 Uhr einläuft, macht sich die "Nordgehende" gerade wieder auf den Weg. Der weitere Tagesablauf und Kurs des Schnelldampfers steht heute ganz im Zeichen der beiden Inselgruppen Vesteralen und Lofoten. Zwei Namen, bei denen der Norwegenkenner glänzende Augen bekommt.

Unter der Bezeichnung "Inselpanorama Vesteralen" wird in Harstad (siehe auch Tag 5) ganzjährig ein Ausflug angeboten, der mit einem kurzen Rundgang durch die Stadt und einem Besuch der Kirche von Trondenes beginnt. Auf der anschließenden Busfahrt erlebt man dann einen Teil der Inselwelt Vesteralens. In Sortland, dem übernächsten Hafen, geht es wieder an Bord der Hurtigrute. Diese verlässt Harstad zunächst mit nördlichem Kurs, passiert backbords noch einmal die Kirche von Trondenes, um dann westwärts in den Toppsund einzufahren. Auf der Steuerbordseite die Insel Grytöya, backbords Hinnöya, die größte norwegische Insel, welche den Kurs des Schnelldampfers bis zum späten Nachmittag begleitet.

Am Ende des Sundes kommt in der Ferne die Insel Andöya langsam näher. Sie markiert den nördlichsten Teil der Vesteralen. Der südliche Bereich der Insel wird geprägt von bis zu 700 m hohen Gipfeln, im Norden wird die Insel flacher, es dominieren Moore und ausgedehnten Moltebeerfelder. Die Moltebeere ist eine kleine nordische Kostbarkeit. Wegen ihres Vitamin C- Gehaltes war sie schon immer eine begehrte "Medizin".

Vor dem Hintergrund der Andöyagipfel kommt Risöyhamn in Sicht. Vor dem Einlaufen in den Hafen wird die 4,5 km lange Risöyrinne passiert. Auf diesem Streckenabschnitt musste man etwas nachhelfen um genügend Wasser unter dem Kiel der Schnelldampfer zu haben. Hier bildet eine etwa 1 m unter der Wasseroberfläche liegende Sandbank ein Hindernis für die Schifffahrt. Schon 1875 begann man daher mit den ersten Ausbaggerungsarbeiten. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Rinne mehrmals vertieft, aber erst 1922 war sie tief genug um auch der Hurtigrute eine Durchfahrt zu ermöglichen. Als diese Arbeit vollendet war fand die Eröffnung in Anwesenheit von König Haakon VII statt. Man übertreibt nicht, wenn man behauptet, dass mit der Einbeziehung der Vesteralen in die Schnelldampferlinie eine neue Epoche für die Inselgruppe eingeleitet wurde. Denn bisher war die Hurtigrute gezwungen dieses Gebiet weit im Westen liegen zu lassen und an der Ostseite der Insel Hinnöya durch den Tjeldsund zu fahren.

Hat man Risöyhamn erreicht, wird man sich vielleicht etwas wundern warum hier überhaupt angelegt wird, denn der Ort hat gerade mal 350 Einwohner. Allerdings stehen dahinter 6.400 Einwohner des Verwaltungszentrums Andenes. Andenes, an der Nordspitze der Insel gelegen, ist ein schöner Fischerort. Seine Haupteinnahmequelle war immer der Fischfang. Im 17. Jahrhundert, als die Fischerei an der ganzen Küste drastische Einbußen hinnehmen musste, wurde der Ort Stützpunkt niederländischer Walfänger. Heute werden dort Walsafaris angeboten, die einem die Möglichkeit bieten, Pott-, Schwert- oder Zwergwale zu beobachten.

Der Aufenthalt in Risöyhamn ist nur kurz, beim Ablegen schwenkt die Hurtigrute auf südlichen Kurs und passiert unmittelbar nach Verlassen des Hafens die 750 m lange Brücke, welche Andöya mit Hinnöya verbindet. Insgesamt 5 Brückenbauwerke sorgen seit 1978 für einen fährfreien Anschluss aller großen Vesteralen-Inseln an das Straßennetz auf dem Festland.

Eine gute Stunde später kommt die 961 m lange Brücke über den Sortlandsund in Sicht. Steuerbordseitig begleitet uns nun Langöya, die drittgrößte Insel des Landes. Auf ihr liegt Sortland, mit seinen 4.000 Einwohnern und dank seiner zentralen Lage im Inselgebiet das Verwaltungszentrum der Vesteralen. Die meisten der 17.000 Inselbewohner leben in Siedlungen auf deren Westseite, in unmittelbarer Nähe zu den reichen Fischgewässern. Wie die anderen Vesteralen-Inseln war auch Langöya schon früh besiedelt. Man hat Gegenstände aus der Wikingerzeit gefunden und die alten Ortsbezeichnungen wie Bö (Haus), Hov (heidnischer Tempel) oder Vik (Bucht) stammen sogar noch aus der Zeit vor den Wikingern.

Seit der Abfahrt in Harstad sind 5 Stunden vergangen. Backbords liegt immer noch die von Fjorden und Buchten zerfurchte Küste der größten norwegische Insel. Dort kommt jetzt mit dem 1262 m hohen Möysalen der höchsten Berg der Vesteralen in Sicht. In Fahrtrichtung, noch weit voraus, die ersten Gipfel der Lofoten. Auf der Steuerbordseite schiebt sich der Ostzipfel von Hadselöya, der letzten Vesteralen-Insel ins Fahrwasser. Das Tor zum dortigen Hafen Stokmarknes, bildet die 1020 m lange Brücke, welche die Insel mit Langöya verbindet. Die Topografie der Insel ist völlig untypisch für norwegische Verhältnisse. Fast rund, hat sie keinerlei Fjorde oder tiefe Buchten zu bieten. Ihr Umfang entspricht der klassischen Marathonstrecke von 42,195 km, was fast zwangsläufig dazu führen musste, das hier jedes Jahr im August ein Volksmarathon abgehalten wird.

Stokmarknes erhielt 1776 Handelsprivilegien. Von 1851 bis 1939 wurde hier jedes Jahr Markt abgehalten. Hierher kamen die Menschen aus dem ganzen Nordland. Bauern und Händler mit ihren Booten und Waren, Gaukler schlugen hier ihre Zelte auf, hier amüsierte sich das Volk Mit dem Sterben dieser Märkte im Zweiten Weltkrieg ging ein wertvolles Stück nordischer Kultur verloren.

Ein Meilenstein in der Geschichte des norwegischen Schiffsverkehrs wurde 1881 hier in Stokmarknes mit der Gründung der Vesteralen Dampfschifffahrtsgesellschaft gesetzt. Hier liegt die Wiege der Hurtigruten! Ihrem Gründer Richard With wurde mit dem Hurtigrutenmuseum in Sichtweite der heutigen Anlegestelle ein Denkmal errichtet.

Kein Passagier sollte sich dieses Museum und die Geschichte der Schnelldampferlinie entgehen lassen. Größtes Ausstellungsstück ist die MS Finnmarken. Auf Land gesetzt und in das Museumsgeschehen einbezogen vertritt das 1956 gebaute Schiff die Generation des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg (siehe hierzu auch die Seite Geschichte der Hurtigruten).

Nach dem Ablegen in Stokmarknes geht es mit Kurs Südost dem Raftsund und Trollfjord entgegen. Zunächst überqueren wir den Handselfjord. Dabei geht der Blick übergangslos von den mächtigen Gipfeln der Insel Hinnöya zum grandiosen Küstenprofil der Lofoten, das sich weit nach Südwesten zieht. Unbeirrt nähert sich der Schnelldampfer den vor uns liegenden Felswänden. Von einer Einfahrt in den engen Raftsund ist nichts zu sehen. Aber irgendwo gibt es dann doch ein überraschendes "Sesam öffne dich" und schon liegt der weit gespannte Bogen der Sundbrücke wie eine weit geöffnete Pforte vor uns. Hinter dieser Pforte liegt ein Streckenabschnitt, der zu den nicht mehr zu überbietenden landschaftlichen Höhepunkten der Reise zählt.

Wir fahren ein in den 26 km langen Raftsund, machen auf etwa halber Strecke einen Abstecher in den Trollford um dann weiter den Weg nach Svolvaer, dem nächsten Hafen einzuschlagen. Was die Passagiere bis zur dortigen Ankunft erwartet ist nur schwer zu beschreiben. Diese Landschaft muss man spüren, in sich aufsaugen. Glücklich all jene, die nicht durch Foto- oder Videokram in Stress geraten, sondern einfach nur sehen und staunen können.

Der Raftsund verbindet die Inselgruppen der Lofoten und Vesteralen. Bis zu 1000 m hohe Gipfel begleiten die Fahrt der Hurtigrute, die wie auf einem langgestreckten, stillen Fluss durch ein tief eingeschnittenes Tal gleitet. Es ist schwer zu sagen, wann es im Sund am schönsten ist. Hier hat jede Jahreszeit ihren besonderen Reiz und jeder Tag bietet ungeahnte Möglichkeiten diese Landschaft in grandiosen Wetter- und Lichtstimmungen zu erleben, wie sie nur der hohe Norden hervorbringen kann.

Hat in den Sommermonaten die Hurtigrute die engsten Stellen des Raftsundes hinter sich gelassen, schwenkt der Bug nach Westen, zwängt sich durch den kleinen Swartsund und nimmt Kurs auf den Eingang des Trollfjordes. Scheint es nur so, oder wird es wirklich stiller an Bord, wenn das Schiff langsam an den fast zum Greifen nahen, steil aufragenden Felswänden vorbei in den Trollfjord einfährt. Nur ganze 2, 5 km lang, davon etwa die Hälfte nicht viel mehr als 100 m breit, umgeben von bizarren Gipfeln, die Höhen von bis zu 1146 m erreichen, bietet der Trollfjord einen Anblick der seines gleichen sucht und den viele Passagiere als Höhepunkt der Reise bezeichnen. Vorsichtig, sehr vorsichtig, die Felswände in gefährlicher Nähe, wendet die Hurtigrute im Innern des Fjordes und gleitet langsam wieder zurück in den Raftsund.

Bisweilen ist es vorgekommen, dass riesige Schwärme Lofotendorsch in den Trollfjord geraten sind, was dann zu märchenhaften Fängen führte. So auch im Jahre 1890 als es zur Trollfjordschlacht kommt. Moderne Dampfboote haben sich quer vor die Einfahrt des Fjordes gelegt, um den Fischern in ihren Segel- oder Ruderbooten die Einfahrt zu verwehren. Sie wollen den Fjord mit Senknetzen selber leer fischen. Die Fischer in ihren Booten erkämpfen sich aus purer Not mit Rudern und Bootshaken den freien Zugang zum Fjord. Genau betrachtet war dieses Ereignis wohl der erste große Kampf zwischen Großkapital und kleinen Fischern um die Ressourcen des Meeres.

Kurz bevor wir den Raftsund verlassen, liegt auf der Backbordseite der kleine Ort Digermulen. Im Juli 1889 besuchte Kaiser Wilhelm II. zum ersten Mal diesen Ort und legt damit den Grundstein für den Lofoten -Tourismus. Nun dauert es nicht mehr lange und die Hurtigrute wendet sich nach Westen, um Svolvaer anzusteuern. Bis zur dortigen Ankunft bleiben steuerbords noch lange die höchsten Berge der Lofoten im Blickfeld.

Gerne würde man die Liegezeit in Svolvaer (siehe auch Tag 4) nutzen um etwas durchzuatmen, um die Erlebnisse des Tages zu verarbeiten. Aber in den Sommermonaten wird hier ein eindrucksvoller Busausflug angeboten. Die Fahrt führt durch die ursprüngliche, grandiose Landschaft der Lofoten und zu spektakulären Aussichtspunkten. Man besucht den schönen Fischerort Henningsvär und lernt anhand einer Diashow die Lofoten zu allen Jahreszeiten kennen. In Stamsund geht es wieder an Bord.

Und da die landschaftlichen Höhepunkte von See aus heute nicht mehr zu überbieten sind, kann es nicht schaden, wenn man diesen Landausflug nutzt, um auf einen perfekten Tag noch ein Sahnehäubchen zu setzen. Wieder alle Mann an Bord, verlässt die Hurtigrute um 21:30 Uhr Stamsund. Die Inselwelt der Lofoten bleibt langsam am Heck des Schiffes zurück, vor uns liegt die offene Meeresstrecke des Vestfjordes. Hoffen wir auf eine sturmfreie Nacht!

Manfreds Reisetagebuch

Mittwoch, den 11. März 1992

Die Fahnen der Midnatsol bleiben bis Trondheim auf Halbmast, von dort bringt man Dieter mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland.

Während Henry und die anderen Passagiere von dem ganzen gestrigen Drama zunächst nichts mit bekommen haben, sitzt Claus und mir der Schock noch in den Knochen. Bevor die anderen Passagiere vom Tod erfahren, weiß natürlich die Besatzung Bescheid. Deren Fürsorge ist rührend und wird uns unvergessen bleiben. Wie zum Beispiel Grids Reaktion als wir nicht zum Mittagessen erscheinen. Sie stöbert uns auf um uns ans Buffet zu scheuchen. Aber uns ist einfach nicht nach Essen und Speisesaal. Sie runzelt nur die Stirn, macht kehrt und ist wenige Minuten später mit zwei gehäuften Tellern voller Köstlichkeiten wieder zur Stelle. Wir kapitulieren vor so viel Fürsorge.

Der heutige Tag hat mit Sonnenschein begonnen, als wir aber auf Risöyhamn zusteuern liegt in Fahrtrichtung eine dunkle Wolkenwand. Dort tauchen wir ein in Nebel und Schneegestöber. Bis Stokmarknes ist die Sicht gleich null. Lesen ist angesagt. In Stokmarknes hört es auf zu schneien und kurz vor der Einfahrt in den Raftsund reist der Himmel etwas auf. Schon jetzt herrscht eine wahnsinnige Stimmung, aber dann explodiert der Himmel regelrecht.

Über dem Raftsund liegt ein unglaubliches Licht. Sogar einige Besatzungsmitglieder, die auf der Hurtigruten sicher schon manches gesehen haben, kommen mit den Kameras angeflitzt um das Schauspiel einzufangen. Als wir den Raftsund verlassen ist die Vorstellung vorbei, die Nacht bricht an und in Svolvaer schneit es bereits wieder. Zusätzlich frischt auch noch der Wind auf. Ich glaube das wird zwischen Stamsund und Bodö eine "bewegte" Nacht. Die Tabletten sind sicherheitshalber eingenommen!

Donnerstag, den 12. September 1996

Heute Wetter und Temperaturen wie auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt. Die Landschaft aber um vieles schöner und grandioser. Die höchsten Gipfel der Vesteralen und Lofoten sind von Neuschnee überzuckert. Der Raftsund im fantastischen Gegenlicht, der Trollfjord einfach grandios. Am liebsten würde man die Kamera ins Wasser schmeißen um alles in Ruhe betrachten zu können.

Die rheinischen Frohnaturen haben den Landausflug Svolvaer - Stamsund gebucht. Als sie in Stamsund wieder an Bord kommen sind sie vor Begeisterung ganz aus dem Häuschen. Ich glaube, da haben wir was verpasst! Als wir in Stamsund ablegen, liegt über der schwarzen Kette der Lofotwand noch ein letzter Schimmer von Abendrot.

Montag, den 14. September 1998

Nun sind sie also vorbei, diese herrlichen Tage auf den Lofoten. Etwas traurig stehen wir an der Reling der MS Narvik als wir in Stamsund ablegen. Wir trösten uns mit der noch verbleibenden Zeit auf der Hurtigruten und einem Bier in der Bar. Als wir gerade in die Federn wollen wird Polarlicht gemeldet. Der Himmel bereitet uns ein grandioses und farbenprächtiges Abschiedsgeschenk. Wahnsinn!

Mittwoch, den 16. Februar 2000

Vor Harstad beginnt der Tag mit einer farbenprächtigen Dämmerung. Der Himmel leuchtet in unvorstellbaren Farben. Während der Liegezeit in Harstad kommt die Sonne über den Horizont und verwöhnt uns fast den ganzen Tag. Allerdings ändert das nichts an den Temperaturen, es ist und bleibt lausekalt.

Die nordgehende Midnatsol liegt in Harstad noch am Kai, wir machen natürlich einen Besuch. Bekannte Gesichter unter der Besatzung sind nicht zu erkennen und Passagiere drängeln sich auch nicht gerade wie die Lemminge. Beim Frühstück sind gerade mal 6 zu sehen (Passagiere natürlich, nicht Lemminge).

Später im Risöysund eine geschlossene Eisdecke, allerdings zu dünn um der Narvik Probleme zu machen. Locker wird das Eis aufgebrochen und die losgelösten Eisteile fegen knirschend übers feste Eis. Faszinierend!

In Stokmarknes ist das neue Hurtigrutenmuseum unter Einbeziehung der MS Finnmarken gleich neben der Anlegestelle fertig. Leider bleibt mir keine Zeit für einen Besuch, ich muss ins Zentrum traben um Filme zu kaufen. Hab mich total verkalkuliert.

Ja und dann der Raftsund! Mit dem letzten Tageslicht passieren wir die Raftsundbrücke. Der Himmel ist vollkommen klar, das Wasser glatt wie ein Spiegel. Alleine am Bug stehend genieße ich diesmal den Raftsund ohne zu fotografieren. Wenn es nur nicht so kalt wäre. Auf Höhe des Trollfjordes gebe ich mich blau gefroren geschlagen und verkrümle mich zu den anderen in den Panoramasalon.

Freitag, den 2. April 2004

Gestern Abend bin ich im wahrsten Sinne des Wortes in meine Koje gekrochen. Die richtige Lage zu finden war mit heftigen Schmerzen verbunden. Dann aber überraschend gut geschlafen. Mittlerweile habe ich begriffen welche Bewegungen ich unterlassen muss um möglichst ohne Schmerzen zu sein. Aber Lachen, Niesen oder Husten ist absolut verboten.

Ansonsten ein Tag ohne ein einziges Wölkchen am Himmel! Nur Sonne, Sonne, Sonne! Trotz der verschneiten Landschaft spürt man, es wird Frühling in Nordnorwegen! Dieser Meinung ist auch Ingrid, die uns als Reiseleiterin auf dem Landausflug zwischen Harstad und Sortland begleitet. Ihre Definition von Frühlingsanfang: "Wenn in den Straßen langsam der Schnee schmilzt, der Schnaps und die Kerzen im Haus alle und die Mädchen schwanger sind, dann wird es Frühling in Nordnorwegen."

In Sachen schwanger weiß sie wovon sie redet! Über ihr Handy ist Ingrid mit der Vesteralen in Verbindung, das Schiff hat mit einer Stunde Verspätung in Risöyhamn abgelegt. Es wurde sehr viel Fracht geladen. Ich sehe die Möglichkeit einer Begegnung mit dem Schiff beim Überqueren der Sortlandbrücke schwinden. Aber meine Bedenken sind unbegründet. Ingrid und der Busfahrer beherrschen das perfekte Timing. Als wir auf der Brücke sind wird kräftig auf die Hupe gedrückt, unter uns dröhnt die Schiffssirene und ich hab den Finger am Auslöser. Einsam an Deck stehend winkt Jörg zu uns herauf.

In Sortland geht es wieder an Bord. Über den verschneiten Bergen der Vesteralen und Lofoten wölbt sich ein wolkenloser Himmel und im Raftsund fehlt zu einem perfekten Tag nur noch die Einfahrt in den Trollfjord. Wegen angeblicher Lawinengefahr wird daraus aber nichts.

Beim Abendessen hat jeder, Personal eingeschlossen, auffällig gute Laune. Claus steht da nicht hinten an und unterhält den Nebentisch mit "Lyrik", oder das was er darunter versteht. Unter anderem mit einem Liebesgedicht das er vor langer, langer Zeit seiner Freundin geschrieben hat:

Gestern Abend saß ich auf dem Klo,
doch in Gedanken war ich anderswo (nämlich bei Dir).
Gar lange bin ich da gesessen,
doch leider hatt' ich was vergessen.
Und die Moral von der Geschicht,
Hose runter, sonst geht's nicht!

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