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Hurtigruten Tag 7: Nordkap, Mehamn, Barentsee

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Heute dürfen wir etwas ausschlafen, denn die nächste Exkursion, die Fahrt zum Nordkap, startet erst gegen Mittag. Also gehen wir den Tag gemütlich an. Das schöne Wetter beginnt uns scheinbar doch zu verlassen. Die Wolken hängen tief, zwar sieht man zwischendurch blauen Himmel und auch mal die Sonne, aber der Trend ist nicht so gut. Gegen 9 Uhr sollen wir der "MS Lofoten" begegnen und alle warten an Backbord. Doch kein Schiff ist in Sicht. Als es dann plötzlich laut tutet, spurten alle nach Steuerbord und da ist sie! Die haben sich einen kleinen Scherz erlaubt und fahren an der falschen Seite vorbei, so eine Bande!

Nordkap

Die Inseln haben inzwischen ihren Charakter stark geändert. Vorbei ist's mit Bäumen und Sträuchern, nur noch Moose und Flechten bedecken die Felsen. Es ist kalt geworden und hier herrscht noch Winter; Wir umrunden die Halbinsel Måsøy und legen in Havøysund an. Macht sich das Wetter doch noch auf? Es sieht zwischendurch danach aus. Leider war das aber endgültig der letzte blaue Fleck am Himmel. Je weiter wir nach Osten kommen, desto grauer, nebliger und kälter wird es. In der Passage südlich der Nordkapinsel Magerøya fängt es an zu nieseln. Rita macht vorsichtshalber einen Besuch in der Bord-Boutique und kauft sich ein Paar Fleece-Handschuhe (ich hab's ja geahnt).

Mitternachtssonne im Lopphavet nördlich Skjærvøy

Kurz vor 12 Uhr legen wir in Honningsvåg an. Der letzte Landgang steht bevor, die Fahrt über die Insel zum Nordkap. Der Himmel ist grau in grau; Auch die Landschaft passt dazu. Hier herrscht noch Spätwinter. Schmutzige Schneereste, zugefrorene Seen, darüber Nebel und Wolken. Aber, wir müssen froh und dankbar sein, denn es hätte ja schon seit Tagen so sein können! Unterwegs auf der Hochebene von Magerøya sehen wir die ersten Rentiere, kurz danach machen wir einen kleinen Zwischenstopp beim Lager von Nils, dem Touristen-Vorzeige-Samen. Er steht in seiner Tracht mit einem Rentier da und lässt sich bereitwillig fotografieren. Daneben hat er ein Zelt aufgebaut um zu zeigen, wie die Samen (früher nannte man sie Lappen) normalerweise hausen. In einem Andenkenladen könnte man all die Dinge kaufen, die man nicht braucht, also lassen wir es sein.

MS Lofoten kurz vor Havøysund

Weiter geht's die letzten Kilometer und Kurven bis zum Nordkap. Es regnet. Das Nordkap-Center liegt verlassen im Nebel. Wir sind die einzigen Besucher, was durchaus positiv ist, denn in der Reise-Zeit drängeln sich hier die Touris zu Hunderten. Zuerst gehen wir natürlich direkt hinaus die letzten Meter zum Nordkapdenkmal, die Pyramide mit der Weltkugel drauf. Allgemeines Fotoschießen setzt ein, jeder fotografiert jeden, man will ja dokumentieren, dass man da war. Eine lustige Szene im traurigen Nebel-Regen-Wetter; Nachdem sonst nichts zu sehen ist, erledigen wir im Center erst mal die unvermeidlichen Pflichten und informieren die Kinder per SMS über unsere aktuelle Position, 71°10'21". Wegen des besonderen Stempels schreiben wir uns auch noch selber eine Postkarte.

Nils mit seinem Rentier

Dann steigen wir ins Panoramakino hinunter und genießen den sehenswerten Film über das Nordkap im Lauf der Jahreszeiten. Danach gehen wir den Gang durch den Felsen hinab zur Aussichtshalle (heute ohne Aussicht), vorbei am kleinen Museum, an Dioramen mit historischen Szenen und besuchen die kleine ökumenische Kapelle. Jetzt ist uns nach einem Kaffee und etwas Essbarem.

Inzwischen hat sich der Nebel verzogen und dem Regen Platz gemacht, was aber mit einer besseren Sicht verbunden ist. Ich gehe nochmals raus, bin ganz alleine auf dem Felsen und mache noch ein paar schöne Fotos mit Blick aufs Meer und die benachbarte Landzunge mit dem wirklich nördlichsten Punkt Europas, dem Knivskjellodden, 71°11'08". Jetzt reicht's aber wirklich, es regnet heftig. Also zurück in den Bus und im Affentempo düsen wir die Autoslalomstrecke zurück zum Schiff; Etwas Zeit zum Bummeln durch den Souvenirshop haben wir noch, Elch-Söckchen für Samira, Espressotassen für uns, dann zurück aufs Schiff.

Nordkapdenkmal auf der Insel Magerøya

Hier gibt's für uns Ausflügler einen kleinen Imbiss, ein pikantes Törtchen, schmeckt sehr gut. Rita macht traurige Augen, es ist ja nicht glutenfrei, aber der Koch hat Erbarmen mit ihr und zaubert ein glutenfreies pikantes Omelett mit Salat! Das nennt man Service! So können wir die Zeit bis zum Buffet am Abend gut überbrücken.

Die See wird rauer. Wir sind jetzt nicht mehr im Nordatlantik sondern in der Barentssee. Die Wolken hängen tief, der Wind frischt auf und treibt die Wellen gegen uns. Allmählich merken wir, bzw. Rita, den Seegang. Noch ist das lustig und die frische Luft tut gut. An der Steuerbordseite liegt die Vogelinsel Svaertholtklubben, leider sind keine Vögel zu sehen, außer den Möwen und den Sturmseeschwalben die uns dauernd begleiten. Nach einer weiteren Stunde über freies Meer nähern wir uns Kjøllefjord. An der Steuerbordseite sehen wir einen eigenartigen Felsen, die "Finnkirka", hier soll ein Heiligtum der Samen gewesen sein. Kjølleford ist ein reiner Fischereihafen, ein Fischdampfer liegt am Kai und ist umringt von Möwen, da gibt's offensichtlich Abfälle. Wir sind hier ziemlich am Ende der Welt, es sieht alles so kahl und trostlos aus.

Zum Abschied gibt es heute wieder ein üppiges Büffet, natürlich mit viel Fisch, aber auch leckere Fleisch- und Gemuesekost. Noch schmeckt es uns trotz Seegang und Rita bekommt mit ihrer Nachspeise gerade noch die Kurve zum Tisch ohne etwas zu verlieren.

Nordkapfelsen

Um 20 Uhr sind wir in Mehamn, der Ort liegt etwas malerischer, bunte Häuser, mittendrin eine große Kirche, da mag's bei Sonnenschein ganz nett sein.

Auf dem Weg nach Berlevåg wird's nun richtig stürmisch. Der Wind peitscht die Wellen allmählich auf gut 4 m Höhe und unser Schiff kämpft sich gegen den Wind wacker vorwärts. Für Rita wird's allmählich kritisch und sie greift zum ersten Superpep-Kaugummi um den Magen ruhig zu halten. Am ehesten ist die Bewegung des Schiffes noch in der Bar auf Deck 7 zu ertragen, die liegt mittschiffs und geht deshalb nicht so stark rauf und runter. Aber auch dort kommt mal ein Tablett mit Geschirr ins rutschen und alles geht zu Bruch. Die Bedienung verteilt Antirutsch-Deckchen für die Tische, damit die Gläser Halt haben. Zwischendurch versuchen wir mal in der Kabine unsere Koffer zu packen, bis Mitternacht sollten die vor der Kabine stehen zum Abtransport durchs Personal. Aber ans Packen ist nicht zu denken. Also warten wir bis nach 23 Uhr, bis zum Hafen von Berlevåg. In der halben Stunde Liegezeit verstauen wir alles was wir nicht mehr brauchen im großen Koffer und stellen ihn vor die Türe.

Im Hafen von Mehamn

Die weitere Fahrt verbringen wir entweder oben in der Bar oder warm eingepackt vorne am Bug auf Deck 5. In der frischen Luft kann man den Seegang ganz gut ertragen. Dann hängen wir wieder zum Aufwärmen in den Sesseln der Bar und beobachten die Sturmseeschwalben wie sie in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit haarscharf über die Wellen düsen. Die haben da offensichtlich Spaß daran. Wann schlafen die eigentlich, es ist ja immer noch, oder schon wieder hell?

Es ist schon weit nach Mitternacht als wir uns in die Kabine wagen und zu schlafen versuchen. Wir liegen mit dem Kopf in Fahrtrichtung, so ist das Rauf und Runter ganz gut zu ertragen. Aber dieses Gefühl der Entlastung, wenn das Schiff oben auf der Welle ist und runtergeht, und dann der Druck in die Matratze, wenn es wieder hoch geht, das ist schon gewöhnungsbedürftig. Rita kaut fleißig ihre Kaugummis gegen das Schlecht sein und ich döse so dahin. Wir legen noch ein paar Mal an, in Båtsfjord, Vardø und Vadsø, das bekommen wir aber nur so nebenbei mit. Um Vier Uhr schaue ich das letzte Mal auf die Uhr, dann schlafe ich endlich ein.

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