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Hurtigruten Tag 6: Raftsund, Trollfjord, Tromsø, Polarkreistaufe
Die Durchfahrt der Lofoten haben wir verschlafen, ebenso die Häfen Stokmarknes, Sortland und Risøyhamn; Während wir noch in der Dusche sind verlässt das Schiff den Hafen von Harstad. Auf dem Weg zum Frühstück der obligatorische Blick nach dem Wetter. Heute ist es wolkig, aber die Sonne kämpft sich schon durch einige Lücken, es sieht also nicht schlecht aus. Der Seegang ist auch völlig harmlos, was wollen wir mehr! Auf der weiteren Strecke nach Finnsnes lockert es zusehends auf. Im Osten, am Festland, sehen wir mächtige schneebedeckte Berge. Unten herum ist alles saftig grün und es sieht nach landwirtschaftlicher Nutzung aus.
Nach dem relativ offenen Vågsfjord geht es im Tranøyfjord wieder enger zu. Bald erreichen wir Finnsnes. Wir gehen diesmal von Bord und beobachten die Ladetätigkeiten mal von Land aus. Nach einer halben Stunde legt das Schiff schon wieder ab und gleitet majestätisch unter der großen Brücke zur Insel Senja, der zweitgrößten Norwegens, hindurch in den Gisund. Wir fahren immer in Landnähe und es gibt viel zu sehen. Naechste "Attraktion" ist die Durchfahrt durch den Straumsfjord, in dem eine gezeitenabhängige Strömung, der "Rystraumen", der Schifffahrt durch starke Wasserwirbel früher erhebliche Probleme beschert hat. Ich merke nicht viel davon, höchstens das Gefühl, als ob das Schiff etwas unter dem Hintern nach links und rechts wegdreht. Rita merkt gar nichts, sie hält ihr Mittagsschläfchen.
Tromsø kommt in Sicht. Schon von Weitem sieht man die beiden Brücken, die das Festland mit der Stadt auf einer Insel und den weiteren Inseln im Westen verbinden und am Festland, in Tromsdalen, die berühmte Eismeerkathedrale. Wir werden im Rahmen der Stadtrundfahrt diese Kirche auch besuchen. 14:50 Uhr, wir legen an. Die Busse stehen schon bereit und eine redselige Reiseleiterin empfängt uns. Zuerst geht's ins "Polaria", ein Erlebnis-Aquarium mit einem Panoramakino (Film über Spitzbergen) und einer Seehundevorführung; Anschließend startet der Bus zu einer Stadtrundfahrt. Wir zischen vorbei am Dom, eine der größten Holzkirchen des Landes, an der nördlichsten Brauerei der Welt (Mack), der Universität mit Krankenhaus um dann endlich über die 1000 m lange und 43 m hohe Tromsøbrua (Tromsøbrücke) zur Eismeerkathedrale hinüber zu fahren.
Die dreieckige Form der Kirchensegmente sollen an die Trockenfischgestelle erinnern. Ich denke dabei aber auch an sich übereinander türmende Eisschollen. Im Innern fühlen wir uns durchaus wohl, die Form eines Zeltdaches hat etwas Beschützendes. Man betritt die Kirche durch das Westportal und blickt auf das rießige Glasfenster hinter dem Altar im Ostgiebel. Das 140 m² große Glasmosaik stellt die Wiederkunft Christi dar. Interessant ist auch die Lichtwirkung der schmalen Glasfenster zwischen den einzelnen Betonsegmenten; Einzig störend für den Besucher sind die "Kronleuchter" die mittendrin hängen. Eine interessante Kirche und wir sind uns einig, hierher müssen wir noch mal kommen, zum Mitternachtskonzert.
Nachdem uns der Bus am Hafen wieder freigelassen hat, haben wir noch etwas Zeit zum Bummeln und wir sehen uns die Altstadt noch ein bisschen an. Zwischen den üblichen Neubauten stecken noch einige alte Holzhäuser und Gebäude aus dem Jugendstil, alle recht liebevoll restauriert. In der Storgata, der Fußgängerzone, Geschaefte wie bei uns auch.
Während des Abendessens legen wir ab. Es geht weiter zwischen den Inseln hindurch. An Steuerbord tauchen allmählich die schneebedeckten und bis zu 1800 m hohen Berge der Lyngen-Alpen auf. Wir werden allerdings ab 20:30 Uhr abgelenkt, denn dann findet unsere "Polarkreistaufe" statt.
Erst wird König Neptun lautstark herbei gerufen, dann werden alle der Reihe nach getauft, mit einer Schöpfkelle Wasser mit Eiswürfeln in den Hemdkragen. Bei den Damen kann's auch manchmal in's Dekolleté gehen! Am Schlimmsten erwischt es die Reiseleiterin einer kleinen Gruppe, die bekommt den restlichen Eimer hineingekippt. Zur Dokumentation erhält jeder Getaufte eine Urkunde und zum Trost und Aufwärmen einen kleinen Drink. Alles ist ein rechter Spaß und die einzige organisierte Animation. Das ist schon auszuhalten. Allerdings werden die nassen Klamotten im Lauf der Zeit ziemlich ungemütlich und ein Umziehen ist nicht zu vermeiden.
Kurz nach 21 Uhr passieren wir das nächste Schiff der Linie, die "MS Polarlys". Um 22:20 Uhr sind wir in Skjervøy, wo es nur den üblichen kurzen Aufenthalt gibt. Weiter in Richtung Øksfjord fahren wir wieder über offenes Meer und können erstmals das "Nichtuntergehen" der Sonne um Mitternacht beobachten, begleitet von einem unendlichen rotgoldenen Abendrot! Wir stehen am Bug auf Deck 5 und schauen dieser unglaublichen Stimmung fasziniert bis weit nach Mitternacht zu.
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Autor: Rudi Kronenberger; Copyright: Patrick Wagner, www.urlaube.info
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