Schiffsreise mit der Hurtigruten - Tag 5
Überquerung des Polarkreises, Bodø, Fischerinsel Stott, Lofoten, Raftsund
Diese Nacht war etwas unruhig, das dreimalige Anlegen in Brønnøysund, Sandnessjøen und Nesna haben wir heute doch irgendwie mitbekommen. Tief unter uns im Schiffsbauch sind die beiden Querstrahlruder die zum Manövrieren des Schiffs an der Anlegestelle gebraucht werden und sich halt doch durch Vibrationen bemerkbar machen. Um 6:45 Uhr steigen wir aus den Federn und beeilen uns zum Frühstück zu kommen, denn gegen 7:15 Uhr sollten wir den Polarkreis überqueren. Wir sind allerdings mit dem Frühstück schon lange fertig als es soweit ist, wir sind halt immer noch eine halbe Stunde verspätet.
Vom Tisch aus beobachten wir die Insel Hestmannøy auf der das Polarkreisdenkmal steht, auf einem Steinsockel ein stilisierter Globus aus Metall, der in der Morgensonne glänzt. Um 7:52 Uhr kreuzen wir den unsichtbaren Breitengrat auf 66°33'. Hier beginnt das Reich der Mitternachtssonne, ab hier geht einige Tage oder Wochen im Sommer die Sonne nicht mehr
unter, sondern läuft im Norden über den Horizont nach Osten und steigt dann wieder auf.
Gegen 8:30 Uhr kommt uns ein Hurtigruten-Oldtimer entgegen, die südgehende "MS Vesterålen" aus dem Jahr 1983. Man grüßt sich durch dreimaliges Tuten mit dem Nebelhorn und heftiges Winken mit Taschentüchern und Tischdecken. Unser Ausflug zum Svartisengletscher startet etwas verspätet, dafür fährt unser Ausflugsboot umso schneller. Es ist ein Katamaran mit Jetantrieb, der 30 Knoten (etwa 55 km/h) schnell ist und uns in Windeseile vom Schiff weg in den Holandfjord bringt.
Ein kurzer Spaziergang führt uns in 20 Minuten zum Schmelzwassersee unterhalb des Engabreen, eines Seitenarms des Svartisen. Die vielen Birken sind noch im Winterschlaf, die gefürchteten Zapferl mit den Pollen sind noch fest geschlossen! So können wir die Ruhe, die gute Luft und die Sonne ausgiebig genießen. Es ist wirklich ein traumhaftes Fleckerl Erde und wir lassen die Eindrücke gründlich auf uns wirken. Im Bereich der Endmoräne finden wir einige interessante Steine für unsere Sammlung zuhause. Im Touristcenter gibt es Kaffee und Kuchen, wir probieren einige Waffeln und lassen Kaffee und Sekt mit Gletschereis links liegen.
Auf dem Weg nach Bodø, wo unser Schiff inzwischen angelangt ist, machen wir auf der Fischerinsel Støtt Halt. Hier haben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu 1000 Fischerfamilien gelebt, davon sind aber durch die Industrialisierung des Fischfangs nur noch 47 übrig geblieben. Irgendwie hinterlassen die verfallenden Häuser einen traurigen Eindruck, es ist vieles richtig marode. Im Krämerladen am Kai gibt es aber noch alles, was man auf dieser Insel so braucht: Von der Unterhose über Angelzubehör bis zu den Lebensmitteln ist alles da. Die angebotenen Bonbons aus Trockenfisch lehnen wir aber dankend zugunsten einer Packung "Daim" ab.
Wir sind eigentlich froh, als es mit Volldampf weiter nach Bodø geht. Der Reisebegleiter informiert uns in vier Sprachen über alles Wissenswerte aus der Gegend. Der Mann ist ein echtes Sprachgenie. Nach einer Stunde erreichen wir die Ausläufer von Bodø, rechts der Zivil- und Militärflughafen, links eine Festungsanlage, dann die umfangreichen Hafenanlagen. Bodø ist ein wichtiges Handelszentrum im Norden Norwegens. Unser Schiff erwartet uns bereits, auf der Steuerbordseite ist knapp über der Wasserlinie eine Pforte geöffnet und durch das Autodeck erreichen wir unsere schwimmende Heimat wieder.
Kurz nach 15 Uhr verlassen wir Bodø und eine Stunde später steuern wir das offene Meer an, es geht hinüber zu den Lofoten, die vorgelagerte Inselgruppe im Nordatlantik. Auch diese Passage hält keine Schrecken für uns bereit, das Wasser ist flach wie der Starnberger See in der Mittagsflaute und die Sonne verwöhnt uns fast pausenlos.
Während des Abendessens erreichen wir den ersten Hafen der Lofoten und legen kurz in Stamsund an. Entlang der Bergkette der Lofoten fahren wir dann nach Norden. Die Sonne geht allmählich hinter den Bergen unter, eine fantastische Fotografierstimmung. Die "MS Nordkapp" gleitet um halb neun an uns vorbei. Leicht verspätet (wie immer) erreichen wir
Svolvær, haben aber trotzdem gut eine Stunde Aufenthalt, den wir zum Besuch der "Magic-Ice"- Galerie nutzen. In einer Lagerhalle haben Künstler aus Eis tolle Skulpturen rund ums Fischen geschaffen. Zum Abschluss gibt es an der Eisbar einen Eiscocktail in einem Eiskelch.
Kurz vor 23 Uhr erreichen wir den 26 km langen Raftsund, eine interessante Passage zwischen den Inseln der Lofoten hindurch. Inzwischen haben die Berge ein fantastisches Abendrot aufgesetzt, man kann gar nicht genug bekommen von Schauen. Nachdem das Wetter uns eine total ruhige See beschert, riskiert unsere Schiffsmannschaft eine Fahrt in den 2 km langen und nur 100 m breiten Trollfjord, und das kurz vor Mitternacht! Ganz vorsichtig tastet sich das Schiff voran, eine unglaubliche Stimmung ist das, das Wasser im Halbdunkel, drüber die Berggipfel im letzten Abendrot. Der Gag des Events ist die Trollfjordsuppe auf Deck 7. Den angebotenen Mix-Drink lassen wir lieber sein, wir kennen ja unsere Köpfe! Nach Verlassen des Fjords, der neue Tag hat schon begonnen, verziehen wir uns in unsere Kabine, ein langer Tag geht zu Ende.
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Autor: Rudi Kronenberger; Copyright 2007-2008: Patrick Wagner, www.urlaube.info
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