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Schiffsreise mit der Hurtigruten - Tag 4

Besichtigung von Trondheim, Trondheimfjord, Stokksund, Rørvik

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Wir lassen uns um 7 Uhr wecken, denn schon um 8:30 Uhr müssen wir bereit sein zum Landausflug. Als wir den ersten Blick durchs Fenster tun, fahren wir bereits durch den Trondheimfjord, und die Stadt liegt vor uns. Im Hafen liegt die südgehende "MS Nordlys", und unser Kapitän muss sein Schiff rückwärts einparken. Das macht er scheinbar öfter, denn das geht ruckzuck.

Heute meint es der Wettergott nicht so gut mit uns. Es ist grau in grau und regnet leicht. Aber im Bus ist das egal und die kurzen Wege außerhalb werden wir schon überstehen. Mehrere Busse stehen bereit, einer mit deutschsprachiger Reiseleitung und ein norwegisch/englischer.

Wir fahren etwas kreuz und quer durch Trondheim zum Nidarosdom. Die größte Kirche in Skandinavien und der nördlichste gotische Dom, wie hier alles immer am größten und nördlichsten ist. Aber dieser Kirchenbau ist wirklich beeindruckend, fast reine Gotik, nur das Querschiff ist bereits in der Romanik begonnen worden. Leider hat die Kirche eine sehr bewegte Vergangenheit und zahlreiche Brände und die Reformation haben ihr sehr zugesetzt, so dass bis zum Beginn des Wiederaufbaus 1869 nur eine Ruine übrig war. Das gewaltige Westportal erinnert an die französischen Kathedralen. Zahlreiche Statuen norwegischer Könige, Bischöfe und biblischer Figuren und eine gewaltige Rosette sind zu sehen. Das Innere erscheint zunächst sehr düster, erst nachdem sich die Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt haben erkennt man die Details. Die farbigen Kirchenfenster verbreiten eine feierliche Stimmung, vor allem die Rosette über der neuen Steinmeyer-Orgel entfaltet von innen eine kolossale Wirkung.

Der Bus wartet. Wir fahren durch die Stadt, vorbei an alten Handelshäusern und modernen Bürogebäuden. Am nordöstlichen Stadtrand kurven wir den Berghang hinauf zum Ringve Gård Museum. In den 20er Jahren hatte der Gutsbesitzer eine Russin geheiratet, beide hatten eine große Liebe zur Musik und begannen Musikinstrumente zu sammeln. Daneben richteten sie einige Zimmer des Wohnhauses im Stil der Zeit berühmter Komponisten ein. So gibt es ein Mozart-, Beethoven-, Chopin- und Grieg-Zimmer. Die Instrumentensammlung reicht von historischen bis zu modernen Instrumenten. Da steht sogar ein von Roland gebauter Moog-Synthesizer und eine Hammond-Orgel da. Die junge Dame die uns das alles zeigte, ist aber nur auf den klassischen Tasteninstrumenten perfekt, den Synthy kann sie eigentlich nur einschalten. Schade.

Das ganze Anwesen liegt in einem kleinen botanischen Garten, den wir allerdings nur vom Bus aus betrachten können, denn schon geht's zurück zum Schiff. Die Liegezeiten sind halt begrenzt. Wir müssen noch mal kommen. Es nieselt immer noch während wir zuschauen, wie in Windeseile noch eine Reihe neuer Toyotas im Bauch unseres Schiffes verschwinden. Es ist etwa 12:30 Uhr als wir ablegen. Wir sind eine halbe Stunde später als geplant, und diese halbe Stunde sollten wir auch lange nicht mehr einholen.

An der Insel Munkholmen, einem ehemaligen Kloster und Gefängnis, vorbei fahren wir nach Westen. Mit jedem Kilometer wird auch das Wetter besser und am Ende des Trondheimfjords ist auch wieder die gewohnte Wetterkulisse da, blauer Himmel, einige Wölkchen und keine Wellen. Neptun meint es wirklich gut mit uns, denn wir haben in Reiseberichten gelesen, dass es auch anders sein kann.

Nach einer Stunde sind wir wieder im Nordmeer. Wieder das gewohnte Umfeld, Inseln ohne Ende, von den Eiszeitgletschern flachgeschliffen, gelegentlich ein Leuchtturm wie der von Kjeungskjaer (ein wunderschönes Wort, gesprochen "Cheungschjär"), viele Orientierungszeichen, schön weiß und rot gestrichen. Auf den ganz flachen Inseln steht manchmal oben ein Steinhaufen wie ein umgedrehter Blumentopf, das sieht aus wie ein U-Boot und diente vielleicht zur Verwirrung der Feinde.

Gegen 16 Uhr macht uns Morten, unser Reisebegleiter, per Durchsage auf den kommenden Stokksund aufmerksam. Alle Fotografen drängeln sich am Bug um ja nichts zu verpassen. Im Stokksund geht's im Slalom ganz schön eng zwischen den Inseln durch, manchmal ist das Fahrwasser nur gute 40 Meter breit, bei 19,2 m Schiffsbreite kann man links und rechts fast Blumen pflücken. Es gibt auch eine Geschichte vom Kaiser Wilhelm II., der ein großer Norwegen-Fan war und jedes Jahr mit seiner Jacht hier aufkreuzte, er soll hier die Nerven verloren haben und dem Lotsen ins Ruder gegriffen haben.

Nach dem Stokksund verlassen wir allmählich die Inselwelt und kommen für die nächsten Stunden mehr ins offene Meer. Die Strecke bis Rørvik verläuft durch die "Folda", eine nicht ungefährliche Gegend in der viele Schiffe, auch schon eines von Hurtigruten verloren gingen. Allerdings wohl nicht bei einer ruhigen See wie bei uns heute.

Unser Abendmenü heute: Vorspeise Spargel auf (Elch-)Schinken, Fisch und Gemüse, wieder ausgezeichnet! Uns geht's gut. Zur Verdauung gibt's den üblichen Spaziergang rund um Deck 5. Wir genießen die untergehende Sonne und beobachten die Einfahrt in den Hafen von Rørvik. Hier treffen wir das nächste Hurtigrutenschiff, die "MS Midnatsol". Diese Schiffe, 11 an der Zahl, laufen wie an einer Perlenkette die Küste Norwegens rauf und runter. Jeden Tag um 20 Uhr startet eines in Bergen in Richtung Kirkenes und ist nach 12 Tagen wieder zurück. Zwangsläufig begegnet man allen Schiffen im Lauf der Reise, manchmal verschläft man die Vorbeifahrt allerdings, wie auch so manchen Hafen.

In Rørvik beeilt man sich beim Be- und Entladen, aber die Verspätung von 30 Minuten bleibt uns erhalten. Heute geht die Sonne besonders schön unter, man möchte gar nicht aufhören zu schauen und zu fotografieren. Kurz vor Mitternacht geben wir doch nach und verschwinden in der Kabine. Das "Zuckerl der Nacht", eine Umrundung des "Torghatten", des Berges mit dem Loch in der Mitte, erleben wir nicht mehr, da schlafen wir schon.

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