Schiffsreise mit der Hurtigruten - Tag 2
Stadtbesichtigung von Bergen, Einchecken auf dem Schiff, Abfahrt von Bergen
Es ist schon nach 9 Uhr als wir endlich wach werden. Jetzt aber los zum Frühstück! Auf der Treppe überfällt uns eine ältere Dame mit der Neuigkeit, dass ihre Reise umgebucht werden musste, weil ein Hurtigrutenschiff auf Grund gelaufen sei. Nachdem uns das nicht trifft, setzen wir uns erst mal zu einem netten Ehepaar an den Tisch und versorgen uns ordentlich mit Leckereien vom Büffet. Offensichtlich hatte das Schiff, das einen Tag nach uns auslaufen sollte, irgendwo Grundberührung und die Passagiere von morgen werden also mit uns heute Abend nach Norden starten. Die werden schon genügend Platz haben!
Gut gestärkt machen wir unsere Koffer reisefertig, deponieren sie in der Aufbewahrung bei der Rezeption und machen uns auf den Weg hinunter zum Hafen, denn es gibt noch einige touristische Lücken seit unserem Besuch 2002, die gilt es heute zu schließen. Zuerst zum Fischmarkt. Der frische Fang reizt aber heute recht wenig, wir sind ja frühstücksgesättigt. Aber es gibt hier schicke und warme Strickmützen für die bei Rita sofort ein Bedarf auftaucht. Der Wind pfeift nämlich
ordentlich und es wird ihr allmählich klar, dass hier oben der Winter im Mai noch nicht weit weg ist.
Vorbei an den alten Holzhäusern von Brygge ist unser erstes Ziel die Marienkirche, die aber noch geschlossen ist. Also drehen wir eine kleine Runde am Hafen, gehen schnell noch in einem Supermarkt das einkaufen, was wir vergessen haben. Dann ist es halb zwölf. und die Kirche ist endlich offen. Die Marienkirche ist die älteste Kirche Bergens, aus dem 12. Jahrhundert, und bis auf wenige barocke Einbauten noch rein gotisch erhalten. Hier wurde bis in das 19. Jahrhundert hinein die heilige Messe in deutscher Sprache gehalten, so lange konnte sich der Einfluss der Handelsfamilien aus der Hansezeit
halten. Die Kirche ist ein echtes Kleinod, und es hat sich gelohnt, hier mehrere Besuchsversuche zu machen, denn sie ist nur immer Mittags für kurze Zeit geöffnet.
Wir beschließen bis zur Öffnung der Håkonshalle erst mal auf den Fløyen, den Hausberg, hinauf zu fahren.
Die Aussicht von der neuen Panoramaterrasse auf Bergen ist grandios, heute besonders, denn das Wetter meint es wirklich
gut mit uns. Hinab nehmen wir den Wanderweg durch den lichten Wald und kommen rechtzeitig unten am Hafen bei der alten Festungsanlage an.
Die Håkonshalle ist das älteste erhaltene Bauwerk Bergens und wurde 1261 von König Håkon zur Krönung seines Sohnes errichtet. Sie hatte ein wechselvolles Schicksal. Als sie nicht mehr zu Repräsentationszwecken gebraucht wurde, verfiel sie zusehends, wurde als Lagerhaus missbraucht und brannte schließlich 1944 nach der Explosion eines Munitionsschiffes
völlig nieder. Erst 1961 wurde sie nach der Rekonstruktion wieder für das Publikum geöffnet und dient heute als Konzertsaal und für offizielle Festveranstaltungen. Ein sehr beeindruckender Bau aus der Gotik, nach dem Vorbild englischer Hallen errichtet. Die Decke der Halle ist offen, man sieht den gewaltigen Dachstuhl, der an die Konstruktion eines umgedrehtes Schiffes erinnert. In den Gewölben im Untergeschoß sind gemütliche Räume für die Gastronomie eingerichtet.
Der Rosenkrantzturm nebenan ist wegen Bauarbeiten nicht zugänglich, den heben wir uns für den nächsten Besuch in Bergen auf. Deshalb machen wir uns auf den Weg ins Stadtinnere, wir wollen das Kunstgewerbemuseum besuchen. Im Stadtpark legen wir eine kurze Pause ein und stärken uns mit ein paar Keksen. Auf einer Parkbank in der Sonne beobachten wir die Leute und die Vögel. Mittendrin steht das Denkmal von Edvard Grieg, es dient primär als Lande- und Toilettenplatz für Möwen. Der arme Kerl.
Im Kunstgewerbemuseum finden wir neben einer bedeutenden China-Sammlung Bergener Gold- und Silberschmiedearbeiten, aber auch modernes Design und Kunsthandwerk aus Norwegen.
Jetzt setzt aber der Hunger doch gewaltig ein und wir finden am Hafen ein Lokal. Rita gönnt sich eine Fischsuppe und ich eine deftig gefüllte Kartoffel. Gut gestärkt holen wir gegen 17 Uhr unsere Koffer im Hotel ab und ziehen damit über den Berg zum Hurtigruten-Kai. Es ist schnell eingecheckt, da noch niemand sonst da ist. Die Zeit bis zum An-Bord-Gehen überbrücken wir noch mal mit einem kleinen Bummel in die Altstadt gegenüber der Anlegestelle und genießen auf einer Parkbank die Sonne.
Um 18 Uhr gesellen wir uns zu den Wartenden und suchen uns schon mal für das Abendessen an Bord einen schönen Tisch am Fenster aus. Das Ehepaar, das im Flugzeug hinter uns saß, Christel und Christian, schließt sich uns an. Endlich setzt sich die Schlange in Bewegung. An der Rezeption erhalten wir unsere Kabinenkarten und finden auch gleich unser neues Minizuhause für die nächsten Tage. Die Koffer kommen auch schon, dann kann ja ausgepackt und eingezogen werden.
Nachdem wir unsere leeren Koffer noch in einer Abstellkammer deponieren konnten machen wir uns auf zum Restaurant, denn das Abendessen in Büffetform wartet schon auf uns. Da gehen uns echt die Augen über: Fischleckereien ohne Ende! Ich denke nicht mehr an meinen empfindlichen Magen und probiere alles was gut aussieht. Rita bekommt auch ohne Probleme ihr glutenfreies Brot! Das Ehepaar vom Frühstückstisch, Renate und Erich, setzt sich zu uns. Es entwickelt sich ein angenehmes Miteinander. Und das Essen ist ein Gedicht!
Gegen 20 Uhr verlassen wir das Restaurant in Richtung Oberdeck, denn es ist Zeit zum Auslaufen und da muss man schon live dabei sein. Es ist 20:15 Uhr als wir endlich ablegen. Langsam setzt sich die "MS Richard With" in Bewegung und fährt bald mit 15 Knoten, das sind knapp 30 km/h durch die Schären noch Norden. Bergen mit seinen Stadtbergen Fløyen und Ulriken verschwindet langsam hinter uns, backbords lassen wir die Askøy-Brücke liegen und fast lautlos gleitet das Schiff dahin. Es ist kaum zu glauben: Unser langgehegter Traum beginnt sich zu erfüllen! Und das Wetter ist bilderbuchmäßig: Blauer Himmel, kleine weiße Wolken und ein topfebenes Nordmeer. Und ich bin mir absolut sicher, dass wir diese Schönwetterblase die ganze Reise mitnehmen!
Um 21:15 Uhr werden wir in den Panoramasalon ganz oben auf Deck 7 gebeten, zur Sicherheitsinformation. Die halbe Mannschaft ist vertreten und informiert uns über Rettungswege, Thermoanzüge und Schwimmwesten. Man hat allerdings nur bedingt Augen und Ohren dafür, denn man muss ja immer rausschauen und die Landschaft genießen. Hier im Panoramasalon hört man vom Schiff und der ganzen Technik überhaupt nichts mehr. Höchstens das leise Luftgeräusch der Klimaanlage. Ansonsten ziehen wir wie auf Schienen an den Inseln in der untergehenden Sonne vorbei. Wir gehen wieder nach draußen, auf Deck 5 kann man um das ganze Schiff herumlaufen, am Schönsten ist es natürlich ganz vorne am Bug, unterhalb der Kommandobrücke. Da ist es fast windstill. Traumhaft!
Gegen 23 Uhr übermannt uns dann doch die Müdigkeit und wir ziehen uns zur ersten Nacht in die Kabine zurück. Die Betten sind gleich hergerichtet, das eine wird nur runtergeklappt, das andere ist tagsüber eine Sitzbank, da muss man nur die Lehne runterdrücken und schon ist ein normales Bett daraus geworden. Trotz der Wolke von Kissen liegt man ganz angenehm, nur ist es uns zu warm und den kleinen Hebel für die Temperaturwahl entdecken wir erst am nächsten Tag. Die Geräusche sind noch ungewohnt, manchmal geht ein Vibrieren durch das Schiff, auch ein leichter Seegang stellt sich ein, der Rita zum "Superpep"-Kaugummi greifen lässt. Irgendwann hol ich mir eine Schlaftablette, denn ich bin todmüde und kann doch nicht schlafen. Aber dann gehen bei mir die Lichter aus und es ist schon 9 Uhr, als wir wieder wach werden.
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Autor: Rudi Kronenberger; Copyright 2007-2008: Patrick Wagner, www.urlaube.info
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